Einzelkämpfer: Triathlonräder 2016

Einzelkämpfer: Triathlonräder

Triathlonräder von heute sind nicht mehr einfach nur modifizierte Rennräder mit Lenkeraufsatz, sondern speziell entwickelte Hochleistungssportgeräte um möglichst lange schnell fahren zu können. Die Maschinen für den Dreikampf ähneln den Zeitfahrmaschinen der Radprofis sehr stark, allerdings sind die technischen Regeln für solche Räder im Triathlonsport nicht so streng definiert wie die UCI-Vorgaben für Radprofis. Da bei den meisten Triathlons Windschattenverbot herrscht, sind die Athleten dem Gegenwind ungeschützt ausgesetzt. Deshalb wird gerade beim Design der Räder viel Wert auf Aerodynamik gesetzt. Die spezielle Geometrie der Räder und die aerodynamische Sitzposition sind weitere Schlüsselfaktoren für einen schnellen Radsplit.

Mit Scheibenrad: der Amerikaner Andrew Starykowicz auf seinem Orbea Ordu. Er ist einer der besten Radfahrer unter den Triathlonprofis und hält den Streckenrekord: 180 Kilometer in 4:04h!

Mit Scheibenrad: der Amerikaner Andrew Starykowicz auf seinem Orbea Ordu. Er ist einer der besten Radfahrer unter den Triathlonprofis und hält den Streckenrekord: 180 Kilometer in 4:04h!

Beim Triathlon muss die zweite Displin zwar schnell, aber auch möglichst kraftsparend gefahren werden, da anschliessend noch ein harter Lauf auf die Athleten wartet. Aber gerade das Radfahren ist oft rennentscheidend, da hier auch unter den Profis deutliche Abstände herausgefahren werden können. Die schnellste bisher gefahrene Zeit bei einem Langdistanzrennen stellte der Amerikaner Andrew Starykowicz 2012 bei Ironman Florida auf. Er benötigte damals gerade einmal 4:04 h für die 180 Kilometer, was einem unglaublichen Schnitt von knapp 45 km/h entspricht.

Bildergalerie: Triathlonmaschinen 2016

Inzwischen findet sich bei fast jedem Hersteller ein Triathlonrad im Angebot, das reicht vom Einsteigermodell bis hin zur Profiversion für weit über 10.000 Euro. Ich habe die aktuellen Topmodelle von 30 Herstellern in der folgenden Bildergalerie gesammelt. Bei jedem Modell ist auch jeweils der Link zur Herstellerseite hinterlegt,  wo Ihr die detaillierten Infos zu jedem Rad findet.

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Die Radhersteller sind mittlerweile soweit, dass sie den Triathleten auch Rundumsorglospakete anbieten können. Das heißt, dass keine zusätzlichen Taschen oder Flaschenhalter angebracht werden müssen, um Nahrung, Getränke oder Werkzeug verstauen zu können. Dabei spielt Systemintegration eine große Rolle und soll heißen, dass diese benötigten Zusatzstauräume möglichst clever und von außen unsichtbar im oder am Rahmen untergebracht sind.

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Eine recht smarte Systemintegration bietet zum Beispiel Specialized mit dem Shiv an. Die Amerikaner verbauen in ihrem Modell ein integriertes Trinksystem im Rahmen: eine Trinkblase wird im Unterrohr verstaut und kann nach dem Gebrauch herausgenommen und gereinigt werden. Solch ein Modell verwendete auch RAAM-Sieger und 24-Stunden-Weltrekordhalter Christoph Strasser bei seinen legendären Rekordfahrten.

Der Österreicher Christoph Strasser bei seiner 24h-Weltrekordfahrt in Berlin Tempelhof. Auf seinem Specialized Shiv schaffte er 896 Kilometer in 24 Stunden.

Der Österreicher Christoph Strasser bei seiner 24h-Weltrekordfahrt in Berlin Tempelhof. Auf seinem Specialized Shiv schaffte er 896 Kilometer in 24 Stunden.

Der Ironmandominator und amtierende Weltmeister Jan Frodeno setzt bei seinen Rennen auf das neueste Triathlon-Modell der Marke Canyon, welches bisher allerdings nur Prototypenstatus hatte und erst ab März/April bestellbar sein soll. Aufgrund von Logistikproblemen musste der Marktstart des überarbeiteten Speedmax auf das Frühjahr 2016 verschoben werden. Die Koblenzer haben sich beim Design ihrer Triathlon-Neuauflage sicherlich vom Scott Plasma inspirieren lassen, welches unter anderem auch Ex-Ironman-Weltmeister Sebastian Kienle pilotiert. Das Design der beiden Räder ist sehr ähnlich, allerdings kann Canyon als Dirketversender mit einem günstigeren Preis aufwarten.

Wie im Backofen: der 1,94m große Ironmanweltmeister Jan Frodeno auf seinem Canyon Speedmax unterwegs zwischen den Lavafeldern auf Kona. (Photo: Iri Greco / BrakeThrough Media)

Wie im Backofen: der 1,94m große Ironmanweltmeister Jan Frodeno auf seinem Canyon Speedmax unterwegs zwischen den Lavafeldern auf Kona. (Photo: Iri Greco / BrakeThrough Media)

Anders als im Radsport können sich im Triathlonsport aber auch Nischenbikes wie das Cat Cheetah behaupten. Die mehrfache Schweizer Ironmansiegerin Natascha Badmann ist auch heute noch mit solch einem Rad auf Hawaii unterwegs.

Schnell unterwegs: auch unkonventionelles Rahmendesign hat Erfolg. Die Schweizerin Natascha Badmann gewann die Ironman-WM sechsmal auf diesem Rad, welches auch heute noch auf 26-Zoll Rädern rollt. (Foto: tririg.com)

Schnell unterwegs: auch unkonventionelles Rahmendesign hat Erfolg. Die Schweizerin Natascha Badmann gewann die Ironman-WM sechsmal auf diesem Rad, welches auch heute noch auf 26-Zoll Rädern rollt. (Foto: tririg.com)

Neben den Designaspekten haben auch die technische Entwicklungen an den Triathlonrädern einen Riesensatz in den letzten Jahren gemacht. Elektrische Schaltungen sind inzwischen sehr beliebt, es gibt sie praktischerweise auch drahtlos mit Funksignalübertragung (SRAM). Einer der Vorteile bei diesen mit Stellmotoren ausgerüsteten Schaltungen ist, dass zusätzliche Gangschalter an den äusseren Lenkerenden angebracht werden können. Gerade bei Anstiegen hat dies einen kleinen Vorteil wenn die Athleten im Wiegetritt sind. Aber auch der Schaltvorgang an sich ist unglaublich präzise, allerdings kosten diese halbautomatischen Schaltungen auch soviel wie manches Komplettrad.

Kabel ade: bei der SRAM RED eTap geht das Signal über den Äther.

Kabel ade: bei der SRAM RED eTap geht das Signal über den Äther.

Triathlonmaschinen im Einsatz: Ironman Hawaii 2015 im Video

https://youtu.be/cnuAuuXvNPw?t=3m29s

 

Leichter – schneller – aerodynamischer, das sind wichtige Kriterien bei Triathlonräden. Obwohl beim Zeitfahren das Gewicht eine etwas untergeordnetere Rolle spielt, ist auch hier noch viel Spielraum nach unten. Viel Entwicklungspotential bieten aber auch die Rahmenkonstruktionen, bisher ungenutzte Materialien und Herstellungsverfahren könnten hier die nächste Evolutionsstufe einläuten. Allerdings wird sich auch in Zukunft eines nicht ändern: in die Pedale muss der Fahrer selbst treten.

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